Zum Inhalt springen
Start » Buch: Alles nur Schein

Buch: Alles nur Schein

IN ARBEIT · AUTOBIOGRAFISCHES BUCH

Arbeitstitel: Alles nur Schein

Ein Buch über sexualisierte Gewalt in der Kindheit, Trauma, Suche, Zusammenbruch, Spiritualität und den Versuch, sich das eigene Leben zurückzuholen.

Warum ich dieses Buch schreibe

Es gibt Sätze, die mich seit Jahren begleiten.
Einer davon ist: „Du solltest ein Buch darüber schreiben.“

Immer wenn ich mit jemandem tiefer über meine Geschichte gesprochen habe, kam dieser Satz. Und jedes Mal hat er etwas in mir bewegt. Lange war da nur ein diffuses Gefühl. Irgendwann wurde daraus ein inneres Wissen: Ja, das ist der nächste Schritt.

Mit diesem Buch gehe ich noch einmal weiter nach draußen.
Ich habe den Mann angezeigt, der mir in meiner Kindheit sexualisierte Gewalt angetan hat. Er wurde verurteilt. Das war ein wichtiger Schritt. Ein Schritt, um nicht länger zu verleugnen, was mir passiert ist. Ein Schritt, um hinter mir selbst zu stehen. Ein Schritt, um mich nicht länger von Scham und Schuld zum Schweigen bringen zu lassen.

Denn genau das ist die Macht von Trauma:
Es nimmt dir nicht nur etwas im Moment der Gewalt. Es wirkt oft Jahre weiter. Es legt sich über die Sprache, über den Körper, über Beziehungen, über das Vertrauen in sich selbst. Ich habe erst mit 27 Jahren angefangen, überhaupt einer einzigen Person davon zu erzählen. Mehr als ein Jahrzehnt nach dem jahrelangen und wiederholten Missbrauch. So lange haben Schuld und Scham mich zurückgehalten.

Mit diesem Buch möchte ich den nächsten Schritt gehen:
Ich möchte das, was so lange in mir festgesteckt hat, ans Licht holen. Ich möchte der Person, der diese Schuld und diese Scham wirklich gehören, genau das zurückgeben. Denn sie gehören nicht mir.

Bis zuletzt habe ich keine echte Entschuldigung bekommen. Nicht einmal im Gerichtssaal. Und auch das gehört zu meiner Wahrheit: Ich kann diesem Menschen nicht verzeihen. Ich habe Mitgefühl dafür, dass ein Mensch so tief in seinem eigenen Schmerz, seiner eigenen Scham und seiner eigenen inneren Zerstörung gefangen sein kann, dass er schutzlosen und hilfsbedürftigen Kindern solche Gewalt antut. Aber Mitgefühl ist nicht Verzeihen. Und Wahrhaftigkeit ist mir wichtiger als eine Versöhnung, die in mir nicht existiert.

Ich betrauere, was mir passiert ist, als ich noch ein schutzbedürftiges Kind war.
Durch das Trauma wurden mir Jahre meines Lebens gestohlen. Meine Entwicklung wurde gebremst. Und doch bin ich tief davon überzeugt, dass selbst in dieser Schandtat etwas von großem Wert für mich verborgen liegt. Nicht, weil das Geschehene dadurch gut würde. Sondern weil ich heute entscheiden kann, was ich daraus mache. Dieses Buch ist für mich deshalb auch eine Reise zu mir selbst. Eine Reise, um tiefes Mitgefühl zu entwickeln, Annahme und einen respektvollen Umgang mit dem, was war und mit dem Menschen, der ich geworden bin.

Dieses Buch ist für mich nicht nur ein Ausdruck.
Es ist auch ein Weg.

Ein Weg, noch einmal genauer hinzuschauen. Tiefer in meine Vergangenheit zu gehen. Zusammenhänge zu verstehen. Spuren zu lesen. Rückschlüsse zu ziehen. Und vielleicht dadurch etwas in mir weiter heilen zu lassen. Schreiben heißt für mich nicht, etwas schön zu machen. Schreiben heißt, ehrlich hinzusehen. Auch dort, wo es weh tut.

Gleichzeitig hoffe ich, dass dieses Buch mehr ist als nur meine eigene Geschichte.

Ich wünsche mir, dass dadurch ein Raum aufgeht.
Ein freieres Feld für Betroffene. Mehr Rückhalt. Mehr Zusammenhalt. Mehr Klarheit. Ich wünsche mir, dass sich zeigt, wer wirklich hinter einem steht und wer nicht. Dass sich die Spreu vom Weizen trennt. Dass Menschen Position beziehen. Nicht nur privat, sondern auch gesellschaftlich, politisch, menschlich.

Ich habe in meinem Verlauf in mancher Hinsicht Glück gehabt.
Mir wurde vor Gericht geglaubt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist eher die Ausnahme. Zu viele Menschen erleben Gewalt und werden danach ein zweites Mal verletzt, weil ihnen nicht geglaubt wird. Weil ihre Familien schweigen. Weil Freunde wegsehen. Weil Täter geschützt werden. Weil Betroffene als verwirrt, übertrieben, aufmerksamkeitsbedürftig oder selbst schuld dargestellt werden.

Das gilt für Frauen.
Und es gilt auch für Männer.

Gerade wir Männer wachsen oft in einer Kultur auf, in der Verletzlichkeit keinen Platz haben soll. Wir sollen hart sein, stark, funktional. Nicht weinen. Nicht zusammenbrechen. Nicht zu viel fühlen. Schon gar nicht zugeben, dass uns etwas an die Substanz geht. Und genau das macht es für viele Männer noch schwerer, über erlebte Gewalt zu sprechen.

Ich möchte mit diesem Buch auch dazu beitragen, dass sich daran etwas verändert.

Dass sichtbar wird:
Auch Männer sind verletzlich.
Auch Männer können Opfer von Gewalt werden.
Auch Männer tragen Scham, Angst, Ohnmacht und gebrochene Stellen in sich.
Und auch Männer brauchen Räume, in denen sie nicht hart sein müssen, um dazuzugehören.

Vielleicht kann dieses Buch dazu beitragen, dass sich mehr Menschen trauen, sich zu zeigen.
Vielleicht hilft es, dass weniger geschwiegen wird.
Vielleicht entsteht dadurch ein bisschen mehr Wahrheit.
Ein bisschen mehr Mitgefühl.
Ein bisschen mehr Heilung.

In mir.
Und vielleicht auch in der Welt.


Wenn du erfahren möchtest, wie das Buch weiter wächst, kannst du dich über den Newsletter auf dem Laufenden halten.

Teilen: